JON LLOYD QUARTET   BY CONFUSION   HAT ART CD 6198



In der Kargheit der Einfallslosigkeit und der Desorientierung, die den Jazz der Neunziger leider auszeichnet, hebt sich "By Confusion" des britischen Jon Lloyd Quartets wie eine Oase ab. Diese Musik ist keine Fata Morgana! Alles an ihr ist ganz echt und original, Intensitaet und Klarheit, Expressivitaet, Spannung und Dramatik, Witz, Phantasie und immenses technisches Koennen - gleichermassen delikate wie hochkalorige Nahrung fuers nicht gerade verwoehnte Ohr des Jazzgourmets.

Zwischen lauter Originalen ein Stueck Eric Dolphys: "Straight Up And Down" von der Platte "Out To Lunch", jener Aufnahme, die Dolphys Ideen seinerzeit endgueltig zum Durchbruch verhalf, ein Fanal des musikalischen Bekenntnisses damals wie heute. Hierin ist Peter Buerli, dem Autor des Booklets, uneingeschraenkt rechtzugeben. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Alt- und Sopransaxophonisten Jon Lloyd und Eric Dolphy beschraenken sich natuerlich nicht auf Oberflaechlichkeiten, etwa auf die Vorliebe fuer weite Intervalle und unkonventionelle Melodiebildungen, sie betreffen besonders das Verhaeltnis zwischen Komposition und freier Improvisation. Die verborgene, nur halb eingestandene Liaison Eric Dolphys mit dem Entwicklungsgedanken der europaeischen moderne ist ja weitlich bekannt.

Es ist deshalb nicht alleine die Qualitaet der Kompositionen, die diese CD auszeichnet, es ist besonders die stark vom Prinzip der Entwicklung gepraegte Stringenz, mit der die Themen die Improvisationen durchdringen, in einer Konsequenz, die man nur selten zu hoeren bekommt. Insofern ist diese CD etwas typisch Europaeisches, und, hoert man etwa das klanglich phantasievolle Schlagzeugspiel Mark Sanders, auch etwas typisch britisches.

Was dieses Quartett an musikalichen Verschraenkungen und Spitzfindigkeiten zu bieten hat, ist schlichtweg phaenomenal. Und dem Pianisten John Law zuzuhoeren, ist ein ganz besonderes Vergnuegen: technische Bravour mit glasklaren, rasanten Laeufen paart sich bei ihm mit der souveraenen Verfuegung ueber alles, was pianistisch moeglich ist. Man fragt sich, was dieser Pianist eigentlich nicht kann. "By Confusion" ist nicht die erste CD des Jon Lloyd Quartets, zwei weitere sind bereits 1990 und 1993 fuer Leo Records eingespietl worden. Die aktuelle Aufnahme zeigt aber wiederum eindeutig, dass ein dreijaehriger Abstand zwischen zwei Veroeffentlichungen einfach viel zu lang ist. Das Jon Lloyd Quartet verdient aufdringlichere Praesenz."

Benno Bartsch  Jazz Podium Germany, November 1997